Der amerikanische „Impf-Bürgerkrieg“ von 1918 – ein vergessenes Kapitel der Medizingeschichte

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Innerhalb der USA gab es 1918 heftige öffentliche Auseinandersetzungen zwischen den Ver-fechtern von Impfungen und ihren Gegnern. Zwar kamen keine echten Waffen zum Einsatz, dafür jedoch verbale Schusswechsel. Massenimpfungen gegen Pocken, Typhus und andere Krankheiten seien schuld am Tod von Tausenden von Soldaten, so die Impfgegner. Die Imp-fungen seien ein Segen für die Menschheit, hielten die Impfbefürworter dagegen. Beide Sei-ten warfen sich gegenseitig vor, die Kampfkraft der Armee, die sich auf den Einsatz in Europa vorbereitete, zu schwächen und dadurch vor allem dem Kriegsgegner zu helfen. „Landesverrat“: US-Abgeord-neter fordert drastische Maß-nahmen gegen Impfgegner Wie die New York Times am 9. April 1918 meldete, hatte der Abge-ordnete Charles F. Reavis aus Ne-braska am Vortag im Repräsentan-tenhaus einen von der Nationalen Föderation der Tierversuchsgeg-ner herausgegebenen Rundbrief verlesen, in dem u. a. die Behaup-tung aufgestellt worden war, „Tau-sende von amerikanischen Solda-ten“ seien durch Massenimpfun-gen, insbesondere gegen Typhus, ums Leben gekommen: „Nach der Verlesung des Rund-briefes vor dem Plenum gab er bekannt, dass er diesen mit der Empfehlung an das Justizministe-rium geschickt habe, Maßnahmen gegen die Föderation zu ergreifen. Der Rundbrief, der an Kongress-abgeordnete und andere Perso-nen verschickt worden war, bein-umzubringen.‘ ‚Ich weiß von keinem einzigen Armeelager in den Vereinigten Staaten von heute, in denen die Jungs nicht die allersorgfältigste Behandlung erfahren und unwah-re Behauptungen dieser Art sind gerade heute, wo wir zusätzliche Einberufungen benötigen, absolut unpatriotisch und fast landesver-räterisch in ihren Auswirkungen.‘ ‚Ich beabsichtige das Doku-ment in die Hände des Justizmi-nisteriums zu legen, um ihm die Gelegenheit zu geben, diese soge-nannte Föderation zu untersuchen und aufzuhalten, da man sie un-verzüglich stoppen muss.“1Impfungen als Frage echten PatriotismusAus dem „unverzüglichen Stop-pen“ der Impfkritiker wurde es je-doch offensichtlich nichts. Es kam noch nicht einmal zu einer Unter-haltete folgende, von Mr. Reavis beanstandete Behauptung: ‚Der tausendfache Tod, der unseren Soldaten und Seeleuten bewusst zugefügt wurde, hat die Grenze zum Skandal überschrit-ten. Es ist zu einer Tragödie ge-worden.‘Diesem Satz war die Feststel-lung vorausgegangen, dass die Soldaten in den Armeekasernen geimpft und viel mehr durch diese Impfungen als durch Krankheiten zu Tode gekommen seien. Dieser Satz war das Fazit der gegen Imp-fungen gerichteten Argumentati-on der Föderation.‚Diese Behauptung fi ndet ih-ren Weg in die Heime der Nation und erzeugt fast unbeschreibliche Angst,‘ sagte Mr. Reavis. ‚Der Re-gierung wird darin unterstellt, durch die Impfung gegen Typhus und andere Krankheiten Tausen-de von Soldaten in den Kasernen. US-Abgeordneter bezichtigt Impfgegner des Landesverrats (Quelle: Washington Post, 9. April 1918). Tierversuchsgegner „beschimpfen“ den amerikanischen Sanitätsin-spekteur Gorgas, die Massenimpfungen der US-Soldaten zugelassen zu haben (Washington Post, 3. Febr. 1918) suchung. Zumindest fi ndet sich in den im Internet verfügbaren Zei-tungsarchiven kein entsprechen-der Hinweis.2Der öffentliche Vorwurf, durch Massenimpfungen der Armee seien Tausende von Todesfällen zu beklagen gewesen, blieb also ungeklärt im Raum stehen. Dies könnte man durchaus als stilles Eingeständnis ansehen, dass die Vorwürfe begründet waren.Dieser umstrittene Rundbrief stellte den Höhepunkt der Aktivi-täten der Tierversuchsgegner dar, für die der Widerstand gegen Imp-fungen eine logische Konsequenz ihrer kritischen Haltung gegenüber Tierversuchen war: Impfforschun-gen kamen ohne sie nicht aus.Beide Seiten, sowohl die Impfbe-fürworter als auch die Impfgegner, bezeichneten sich selbst als Patri-oten und unterstellten der Gegen-seite ein für die Nation schädliches Verhalten. Die Fronten verhärteten sich, der Ton wurde rüder, es ging zum großen Teil nicht mehr um die rein sachliche Frage um Nutzen und Risiken von Impfstoffen. Die New York Times bezeichnete die Leiter der Nationalen Föderation der Tierversuchsgegner sogar als „Hohepriester“ dieser „abscheuli-chen Organisation“.9Bereits im Januar 1918 wurde der Föderation von der Washing-ton Post vorgeworfen, dem Deut-schen Kaiser, also dem Kriegsfeind, in die Hände zu arbeiten.3 Der Streit entzündete sich damals am Amerikanischen Roten Kreuz, das 100.000 Dollar seines auf Spenden basierenden Budgets für medizini-sche Forschungen der US-Armee in Frankreich zur Verfügung stel-len wollte. Die Kritiker der Föde-ration befürchteten, dass ein Teil dieses Geldes Tierversuchen zugu-te kommen würde. Sie argumen-tierten, dies sei gar nicht notwen-dig, da über zwei Millionen Dollar der Rockefeller Stiftung auf Abruf bereit stünden.4 Diese Stiftung war bereits damals führend bei der Entwicklung und Forschung von Impfstoffen und ein vehementer Verteidiger von Tierversuchen. Die Kampagne der Föderation schlug derartige Wellen, dass sich das Rote Kreuz nach Monaten der öffentlichen Diskussion genötigt sah, diese Finanzentscheidung wieder zurückzunehmen.5„Verantwortliche sollen denTatsachen ins Auge sehen“ Ebenfalls im Januar 1918 schickte die Föderation einen Brief an den Abgeordneten des Reprä-sentantenhauses Warren Gard und den Senator George E. Cham-berlain. Gard, durch den Todesfall eines Offi ziers aufgeschreckt, hatte zuvor in einer Resolution aussa-gekräftige Berichte über den Ge-sundheitszustand, die Ausrüstung und medizinische Versorgung in den Armeelagern gefordert.6Chamberlain hingegen, ein Parteifreund des amtierenden Prä-sidenten Wilson, kritisierte das Kriegsministerium für zahlreiche Mängel und Nachlässigkeiten, die u.a. zu Epidemien und Todesfällen unter den Soldaten geführt hat-ten.7In ihren Briefen wiesen die Kri-tiker auf die „ausnahmslosen und wiederholten“ Impfungen hin, die ihrer Ansicht nach „das Blut ver-gifteten“ und die wahre Erklärung für Krankheiten und Tod in den Lagern darstellten. In einigen Bei-spielen zeigten sie das Untypische der Symptome auf, die bei den Er-krankten aufgetreten waren.Der amerikanische Sanitätsin-spekteur Gorgas solle, so die Auf-forderung der Föderation, das Pro-blem nicht den Quartiermeistern oder den technischen Abteilungen in die Schuhe schieben, sondern der Tatsache ins Auge sehen, dass seine Ärzte die Ursache eines Groß-teils des Problems seien.8Die auf Tierversuche basieren-de Herstellung von Impfstoffen sei, so hieß es weiter, zu einem Geschäft geworden. Wer aus Ig-noranz, Angst oder Standesdünkel auf Impfungen bestünde, helfe in Wahrheit dem Feind. Ende Januar 1918 verschickte die Föderation an Präsident Wil-son, seine Minister, die Richter des obersten Gerichts, die Senatoren und Abgeordneten des Repräsen-tantenhauses, alle Presseniederlas-sungen in Washington, an die Gou-verneure, die Bischöfe, weitere 150 Gesellschaften, die Mitgliedern der Bewegung der Tierversuchgegner, 850 bedeutende Persönlichkeiten und bis zu 1000 Redaktionen ei-nen Rundbrief, um auf die aus ih-rer Sicht wahren Hintergründe für die Förderung von Tierversuchen durch das Rote Kreuz aufmerksam zu machen.„Geschäftemacherei und zunehmende Dominanz der Allopathie*“Über das Thema der Tierversu-che hinaus kritisierte die Föderation die allgemeine Tendenz, mit aus ih-rer Sicht unnötigen medizinischen Leistungen Geschäfte zu machen. Sie beklagten eine zunehmende Dominanz der allopathischen Me-dizin gegenüber bewährten Metho-den der Naturheilkunde.10Der Widerstand gegen Impfun-gen im Allgemeinen und die Po-cken- und Typhusimpfung im Be-sondern war breit und bundesweit. Im März 1918 konnte der Stadtrat von Indianapolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Indiana, einen Impferlass gegen Pocken nicht umsetzen. Zahlreiche Impfgegner hatten mit dem Gang vor Gericht gedroht.11Auch in Arizona stießen Anord-nungen zu Pocken-Zwangsimp-fungen nicht nur unter der Bevöl-kerung auf heftige Gegenwehr, sondern auch bei den lokalen Behörden: Z.B. wies der Schulrat der Stadt Phönix seine Untergebe-nen an, jeden Arzt, der Anstalten machte, das Schulgelände zu be-treten, umgehend durch die Polizei entfernen zu lassen.12 Im Juli kam es sogar zu einem Referendum* gegen den Zwangsimpferlass des Gesundheitsministeriums dieses Bundes-Staates.13In Chicago leistete ein großer Teil der Geschäftsleute der Anwei-sung, alle Angestellten zu impfen, trotz der Drohung von Zwang-schließungen keine Folge.14In Alton im Bundesstaat Illinois, kam es wegen Verweigerung einer Pockenimpfung zu Hunderten von Schulausschlüssen,15 ebenso in St. Louis im Bundesstaat Montana.16In Alexandria im Bundesstaat Virginia hatten im Juli 1918 nur 800 von 25.000 Einwohnern das Angebot einer kostenlosen Imp-fung gegen den allseits gefürch-teten Typhus angenommen und waren damit ihrer „patriotischen Pfl icht“ nachgekommen.17Im Bundesstaat Massachusetts formierten sich die Impfgegner landesweit, um die Herausgabe von wichtigen medizinischen und statistischen Daten zu fordern, die ihrer Ansicht nach für eine unab-hängige und objektive Analyse der Impfkomplikationen notwendig seien.18Plotkin u. OrensteinVaccines4. Aufl age 20031662 SeitenVerlag: SaundersISBN 0-721696880Preis: 293,50 EuroStefan WinkleKulturgeschichte der Seuchen2. Aufl age 20051533 SeitenVerlag: Winkler, DüsseldorfISBN: 3-538071594Preis: 88,00 EuroZwei der wichtigsten Werke zur Geschichte der Impfungen:Ein Stück vergessener Medi-zingeschichteIn den USA des Jahres 1918 gab es also eine äußerst kontrovers geführte Impfdiskussion, der sich so gut wie kein Bürger entziehen konnte. Doch diese Auseinander-setzung wird weder in der aktuel-len Literatur über die Spanische Grippe noch in Abhandlungen zur Geschichte der Impfstoffe er-wähnt.Quellen:1 New York Times, 9.4.1918, S. 6siehe auch: Wash. Post, 9.4. 1918, S. 52 http://www.proquest.com3 Wash. Post, 12.1. 1918, S. 24 Christian Science Monitor, 1. Feb. 1918, Seite 45 New York Times, 19. Mai 1918, S. 596 Christian Science Monitor, 21. Jan. 1918, S. 67 New York Times, 25. Jan. 1918, S. 18 Washington Post, 3. Febr. 1918, S. S49 New York Times, 18. Dez. 1918, S. 1410 Christian Science Monitor, 1.2.191811 Christian Science Monitor, 2. April 1918, S. 712 Christian Science Monitor, Leser-brief am 24. April 1918, S.313 Christian Science Monitor, 23. Juli 1918, S. 914 Christian Science Monitor, 23. Mai 1918, S. 515 Christian Science Monitor, 8. Juni 1918, S. 1216 Christian Science Monitor, 19. Juni 1918, S. 317 Washington Post, 31. Juli 1918, S. 318 Christian Science Monitor, 14. Aug. 1918, S. 6 Das Ausmaß der Impfungen in den USA im Jahr 1918 Selbst den meisten Fachleuten ist nicht bewusst, dass es bereits 1918 in den USA neben der Pockenimpfung eine ganze Reihe von weiteren Impfungen gegeben hatte, die an der Bevölke-rung, insbesondere den Soldaten, sogar zwangsweise vorgenommen wurden. Rekruten erhiel-ten bis zu 6 verschiedene Impfungen und insgesamt bis zu zwei Dutzend Injektionen. Sechs Impfungen an einem TagIn einem offenen Brief der Nationalen Föderation der Tier-versuchsgegner an Politiker und Presse im Februar des Jahres 1918 war von bis zu 20 Impfungen bzw. Injektionen die Rede, die Rekru-ten der US-Armee erhalten haben sollen.1 Laut einem Artikel im Irish Examiner aus dem Jahr 2003 wur-den ihnen sogar bis zu 25 Injektio-nen verabreicht.2Ein Offi zier aus Massachusetts berichtete, sein Regiment habe einmal 6 Impfungen an einem Tag erhalten.3 Sofern diese Quelle au-thentisch ist, bedeutet dies, dass die Soldaten gleichzeitig sechs ver-schiedene Impfungen bekommen haben müssen. Welche Impfungen das wa-ren, war bisher nur teilweise mit Sicherheit nachvollziehbar. Die Suche wurde auch dadurch er-schwert, dass die Begriffe „Vacci-ne“, „Serum“ und „Antitoxin“ in zeitgenössischen Zeitungsmeldun-gen sehr oft durcheinander gewor-fen wurden. Deshalb ist es in vielen Fällen unsicher, ob es sich jeweils um einen Aktiv- oder einen Passiv-Impfstoff gehandelt hatte. Aktiv-Impfstoff, Passiv-Impf-stoff, Serum, AntitoxinEin Aktiv-Impfstoff enthält in Kultur gezüchtete abgetötete oder abgeschwächte Mikroben, die den Organismus dazu anregen sollen, die entsprechenden Antikörper zu entwickeln, was bis heute aus schulmedizinischer Sicht mit Im-munität gleichgesetzt wird.Ein Passiv-Impfstoff wird da-gegen aus dem Blut von infi zierten Tieren oder Menschen gewonnen (deshalb der Name „Serum“*), und enthält bereits Antikörper, die im Rahmen der körpereigenen Ab-wehr gegen spezifi sche Mikroben entstanden sind. Die in der Regel sehr viel schwieriger zu gewinnenden Pas-siv-Impfstoffe werden in erster Linie zur Behandlung bereits Er-krankter verwendet und eignen sich kaum für Massenimpfungen. Aktiv-Impfstoffe hingegen die-nen zur Vorbeugung bei Gesun-den.Der Begriff „Antitoxin“ trifft im Grunde nur auf die Antikör-per gegen die „Toxine“ (Gifte) der Tetanus- und Diphtherie-Erreger zu. Denn hier sind nach Meinung Das Ausmaß der Impfungen in den USA im Jahr 1918 Selbst den meisten Fachleuten ist nicht bewusst, dass es bereits 1918 in den USA neben der Pockenimpfung eine ganze Reihe von weiteren Impfungen gegeben hatte, die an der Bevölke-rung, insbesondere den Soldaten, sogar zwangsweise vorgenommen wurden. Rekruten erhiel-ten bis zu 6 verschiedene Impfungen und insgesamt bis zu zwei Dutzend Injektionen.von Hans U. P. TolzinTyphus-Impfung von amerikanischen Soldaten (US-Postkarte von 1918)* WorterklärungenAllopathie:SchulmedizinReferendum:VolksentscheidSerum bzw. Blutserum:der fl üssige, nach erfolgter Blut-gerinnung verbleibende Teil des Blutesder Mikrobiologen nicht die Mi-kroben selbst, sondern von ihnen abgesonderte Gifte der eigentlich krankheitsverursachende Faktor.4Nachfolgend eine kleine, keine Vollständigkeit beanspruchende, Historie der Impfstoffe bis 1918:1884: Cholera-ImpfstoffDer erste Impfstoff gegen Chole-ra wird von Ferran in Spanien an Tausenden von Menschen verab-reicht.5 Im Jahre 1894 zieht der Russe Haffkine in Indien nach6, nochmals zwei Jahre später der Deutsche Wilhelm Kolle, ein Schü-ler von Robert Koch.71885: Tollwut-ImpfungPasteur, größter Konkurrent Kochs, setzt erstmals die Tollwut-Impfung beim Menschen ein.81892: Diphtherie-AntitoxinDer Deutsche Emil Behring beginnt mit der Produktion von Diphtherie-Antitoxin, also einem Passiv-Impfstoff auf der Grundla-ge von Tierblut.91894: Pest-ImpfstoffHaffkine setzt erstmals einen Impfstoff gegen die Pest ein (eben-falls in Indien)101896: Typhus-ImpfstoffDer Engländer Wright und die Deutschen Pfeiffer und Kolle ent-wickeln aus abgetöteten Erregern einen Impfstoff gegen Typhus.111896: Tetanus-AntitoxinHoechst, Behring und Ehrlich starten in Deutschland die Pro-duktion von Tetanus-Antitoxin zur Behandlung von Tetanus-Erkrank-ten.121905 (ca.): Typhus-Impfung, wird auf freiwilliger Basis in Britischer Armee eingeführt141911: Typhus-Impfung, wird zur Pfl ichtimpfung in der US-ArmeeDie US-Armee schickt 1909 einen Militärarzt, Major Russel, nach Europa, um sich dort ein Bild von der Typhus-Impfung zu ma-chen. Nach seiner Rückkehr wer-den in den USA die ersten 1.400 Freiwilligen geimpft.15 Das Ergeb-nis wird als Erfolg angesehen und so impft man 1910 weitere 4.000 Soldaten. Die US-Armee ist danach voll-stens von der Wirksamkeit der Typhus-Impfung überzeugt und empfi ehlt, sie zur Pfl ichtimpfung zu machen.16Ab 1911 ist die Typhus-Impfung in der US-Armee obligatorisch.17Üblicherweise besteht sie aus 3 In-jektionen.181911: Meningitis-“Serum“Die Rockefeller-Stiftung erklärt ihr neu entwickeltes „Meningitis-Serum“ zum Erfolg. Vermutlich handelt es sich um einen Passiv-Impfstoff.201914: Keuchhusten-Impfung1914 wird in den USA die Keuchhustenimpfung lizenziert.21Im Oktober 1917 propagiert in New Orleans ein gewisser Dr. Charles J. Boom die Anwendung einer Be-handlung mit einer „Vakzine“* gegen Keuchhusten und darüber hinaus auch im großen Rahmen als Vorsorge. In dem entsprechen-den Artikel der New York Times ist davon die Rede, dass Boom meh-rere „Vakzine“ zusammengemischt hatte, die anderen Bestandteile werden jedoch nicht namentlich erwähnt.221914: Typhus-Impfung,wird innerhalb der französi-schen Armee zur Pfl ichtKurz vor Beginn des ersten Weltkriegs wird die Typhus-Im-pfung zur Pfl icht in der französi-schen Armee,23 wegen der hohen Komplikationsrate wird sie jedoch auf bis zu 4 Injektionen verteilt.191915: Typhus-Impfung, wird bei der deutschen Armee zur Pfl icht.241917: Massenproduktion in New York von „Vakzinen“ gegen Typhus, Pocken und Tetanus.In den Labors der New Yorker Gesundheitsbehörde im Willard Parker Hospital beginnt 1917 eine Massenproduktion von „Vakzi-nen“ gegen Typhus, Pocken und Tetanus. Die Produktionskapazität reichte angeblich aus, in kürzester Zeit genügend „Serum“ für Hun-derttausende von Soldaten herzu-stellen. 1917: „Pneumonie-Serum“Zur gleichen Zeit gibt es das erste „Pneumonie-Serum“.25 Auch hier ist es unklar, inwieweit es sich um einen Passiv- oder Aktiv-Impf-stoff gehandelt hat, also für Massen-impfungen geeignet war. 1917: Produktion von „Serum“ gegen Meningitis, Pneumonie und RuhrIm ersten Bericht der Rockefell-er Stiftung für das Jahr 1917 ist von der Produktion von Seren gegen Meningitis, Pneumonie und Ruhr die Rede. Da es sich um geringe Mengen handelte (3000 Dosen), waren es vermutlich Passiv-Impf-stoffe zur Behandlung von Erkran-kungen.301918: Pockenimpfungen wer-den ausgeweitetZahlreichen Quellen zufolge wurde die Pockenimpfung in den verschiedensten US-Bundesstaa-ten mit unterschiedlichen gesetzli-chen und behördlichen Nachdruck ausgeweitet.1918, März: Massenimpfun-gen gegen DiphtherieIn Providence, Bundesstaat Rhode Island, werden alle Kinder und deren Familienangehörige, bei denen der sog. „Shick-Test“ (ein Hauttest) positiv verläuft, gegen Diphtherie geimpft. Es bestehen Pläne, diese Aktion auch auf Vor-schulkinder auszuweiten.261918, März: Impfung gegen Fünftagesfi eberErster, angeblich erfolgreicher, Impfversuch an 72 US-Soldaten gegen das sog. „Fünftagefi eber“ („Wolhynisches Fieber“), das un-ter den Alliierten seit Kriegsbeginn Tausende von Opfern gekostet hat-te.271918, März: Impfstudie „cere-bro spinal meningitis“*Am 10. März startet das US-Ge-sundheitsministerium eine große Typhusimpfung kostenlos für Alle! (Quelle: Washington Post, 31. Mai 1918)
impf-report November/Dezember 2005 Tolzin Verlag • Postfach 211160 • D-86171 Augsburg • Fon 0821/8108626 • Fax 8108627 •www.impf-report.de- 11 –Feldstudie „insbesondere in der Nähe der Armeelager“ um heraus-zufi nden, ob das Serum zur Be-handlung der „cerebro spinal me-ningitis“ sich auch zur Prävention* dieser Erkrankung eignet.281918, März: Erste Welle der Spanischen Grippe beginntMehreren Quellen zufolge be-gann die Spanische Grippe in den USA im März, es wurde eine ver-mehrte Häufung von Infl uenzafäl-len gemeldet, z.B. in Fort Riley in Kansas und in Fort Dix.291918, Juni: Typhus-Impfung,erstmals kostenlose Impfung für gesamte Bevölkerung Im Juni 1918 ordnet US-Ge-sundheitsminister McAdoo die kos-tenlose und freiwillige Typhusim-pfung für die gesamte Zivilbevöl-kerung an. Insbesondere in den Zonen rund um die Militärlager soll geimpft werden, um infekti-öse Kontakte zwischen Soldaten und Zivilpersonen zu verhindern. Allein in der Stadt „Little Rock“ werden mehr als 15.000 Zivilisten gegen Typhus geimpft.1918, Oktober: Infl uenza-ImpfstoffDer möglicherweise erste Impf-stoff gegen die Spanische Grippe, die in ihrer zweiten Welle ab Sep-tember 1918 in den USA tödliche Ernte hielt, wird bereits Anfang Oktober von einem Dr. William H. * Worterklärungencerebro spinal meningitisEntzündung der Hirn- und RückenmarkshäuteVakzine:(Aktiv-)Impfstoff Der Name ist von „vacca“ ab-geleitet, „die Kuh“, da der erste Impfstoff, der Pockenimpfstoff, aus Kuhpockenlymphe gewon-nen wurde. Prävention:Maßnahme zur Abwendung von etwas BevorstehendemPark von der Gesundheitsbehörde in New York angekündigt.31Dies ist jedoch nicht der einzi-ge Versuch, die Spanische Grippe durch einen Impfstoff zu bändi-gen: Prof. E. R. Moras, ein bekannter Ernährungswissenschaftler, zitiert in einem Brief an den amerikani-schen Präsidenten eine „Infl uenza-Kommission von Illinois“, wonach neben dem Infl uenza-Impfstoff im Osten (vermutlich der von Dr. Park) auch in Minnesota ein ge-mischter Impfstoff mit Infl uenza-Bazillen, Streptokokken, Pneumo-kokken und Staphylokokken zur Anwendung kam und nach Ansicht dieser Kommission sehr gute Er-gebnisse gemeldet werden.32Wahres Ausmaß kaum nach-vollziehbarWelche Impfungen konkret und in welchem Ausmaß in welchen Gegenden der USA zur Anwen-dung kamen, ist heute kaum noch nachvollziehbar. Die Behauptungen einiger zeit-genössischer Zeugen, dass vor al-lem Rekruten bis zu zwei Dutzend Injektionen erhalten hatten, schei-nen jedoch nach Durchsicht der vorliegenden Quellen durchaus realistisch.Oktober 1918: Ankündigung eines Infl uenza-Impfstoffs, basierend auf dem „Pfeiffer-Bakterium“ (Quelle: New York Times, 18. Okt. 1918Quellen:1 Christian Science Monitor, 1. Febr. 1918, S. 42 Patric J. Carroll, Irish Examiner, Mai 2003, http://archives.tcm.ie/irishexaminer/2003/05/08/sto-ry265526733.asp3 Christian Science Monitor, 22. Febr. 1918, S. 14 Zumindest ist dies die offi zielle Lehr-meinung, die ich nicht unbedingt in jedem Fall teile5 Vaccines, 2003, S. 9056 Vaccines, 2003, S. 9057 Vaccines, 2003, S. 48 Vaccines, 2003, S. 2; Winkle, S. 939f9 Vaccines, 2003, S. 510 Vaccines, 2003, S. 411 Winkle, S. 417, Vaccines, 1988, S. 33312 Winkle, S. 33614 Siehe auch nachfolgenden Artikel15 New York Times, 5. Juni 1910, S. SM616 Washington Post, 27. Jan. 1918, S. 717 Siehe auch nachfolgenden Artikel18 New York Times, 5. Juni 1910, S. SM619 Washington Post, 27. Jan. 1918, S. 720 New York Times, 13. Febr. 1911, S. 521 Vaccines, 2003, S.48322 New York Times, 21. Okt. 1917, S. 4223 Washington Post, 27. Jan. 1918, S. 724 Stefan Winkle, „Kulturgeschichte der Seuchen“, S.418; R. Müller, „Medi-zinische Mikrobiologie“, 1946, S.20025 New York Times, 3. Juni 1917, S. 1626 Christian Science Monitor, 9. März 1918, S. 927 Washington Post, 18. März 1918, S. 228 New York Times, 11. März 1918, S. 729 Widipedia, Winkle, S. 104530 New York Times, 31, März 1918, S. 7731 New York Times, 2. Okt. 1918, S. 1032 http://www.advancedhealthplan.com/autopathy.html.

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